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Die Talsohle ist durchschritten - Günstige Voraussetzungen für Neueinsteiger

 

Aktuelle wirtschaftliche Lage

 

Bootsmarkt international

Die ersten Ausläufer der weltweiten Konjunkturkrise hatten die europäische Bootswirtschaft bereits im Frühjahr 2008 erreicht. Dennoch war das Wirtschaftsjahr 2007/2008  (1.8.07 – 31.7.08) für die führenden Bootshersteller mit Ergebnissen auf dem Vorjahresniveau positiv verlaufen. Erst die im Herbst 2008 spürbar gewordene Finanzkrise hatte zu einer durchgreifenden Verschlechterung der konjunkturellen Lage geführt. Davon sind auch die exportabhängigen deutschen Bootswerften nicht verschont geblieben. Mehr als 85% der Produktion werden ins Ausland verkauft.

Im Wirtschaftsjahr 2008/2009 hat die europäische Bootsindustrie die weltweite Konjunkturkrise im vollen Umfang zu spüren bekommen. Gerade der Markt an Luxus- und Freizeitgütern reagiert auf gravierende wirtschaftliche Veränderungen besonders sensibel. Im Endergebnis dürfte der Produktionsrückgang bei rund 60% im Vergleich zum Vorjahr liegen. Der Gesamtumsatz an Booten und Yachten an den Handel hat sich damit von rund 8 Mrd. Euro auf gut 3 Mrd. Euro reduziert; der Gesamtumsatz an maritimen Gütern und Dienstleistungen von rund 25 Mrd. auf rund 18,5 Mrd. Euro (- 26%).

 

Bootsmarkt national

Der deutsche Markt hat sich in dieser schwierigen wirtschaftlichen Situation besser behauptet als die meisten übrigen europäischen Wassersportmärkte. Für das Kalenderjahr 2009 erwartet die Bootsbranche einen Umsatzrückgang von rund 25%. Segel- und Motorboote sind gleichermaßen betroffen.

Ab Ende August, mit Beginn der Messesaison, hat sich die Nachfrage nach Booten und Yachten verbessert. Auch wenn die Talsohle inzwischen durchschritten ist, wäre es zu früh um vom Beginn einer durchgreifenden Erholung zu sprechen. Die Bootshändler haben im Jahr 2009 ihre Lagerbestände erheblich reduziert, sodass ein Teil der zusätzlichen Nachfrage auf die für die Messesaison notwendige Neubevorratung zurückzuführen ist.

 


 

•    Importe/Exporte

Entsprechend der weltweiten wirtschaftlichen Entwicklung ist das Exportvolumen deutlich geschrumpft. Im ersten Halbjahr 2009 wurden insgesamt 642 Segelboote im Wert von 61,5 Mio. € sowie 740 Motorboote im Wert von 56,2 Mio. € exportiert. Dies bedeutet im Vergleich zum Vorjahreszeitraum bezogen auf den Wert einen Rückgang von 66,5% bei Segel- und 62% bei Motorbooten.

Im Bereich der Importe ist der Rückgang nicht ganz so groß ausgefallen. Im ersten Halbjahr 2009 wurden Segelboote im Wert von 13 Mio. € (1-6/2008: 23,5 Mio. €) sowie Motorboote im Wert von 59,4 Mio. € (1-6/2008: 97,8 Mio. €) eingeführt. Dies entspricht einem Rückgang von 44,3% bei Segel- und 39,2% bei Motorbooten.


 

 

 

•    Neue Bootskonzepte und sinkende Gebrauchtbootpreise können den Markt beflügeln

Das Interesse am Bootssport ist ungebrochen. Mindestens 6 Millionen Menschen haben ein konkretes Interesse am Segeln und Motorboot fahren. Dennoch gelingt es derzeit nur unzureichend, dieses Potenzial für die Branche zu erschließen. Nach einer Studie* des Bundesverbandes Wassersportwirtschaft ist es der Branche in den 70er und 80er Jahren gelungen, 2,5 – 3% eines jeden Jahrganges für ein eigenes Boot zu begeistern. Dieser Wert hat sich in den letzten Jahren auf 1 – 1,5% reduziert. Das Durchschnittsalter der Bootsbesitzer hat sich entsprechend dieser Entwicklung inzwischen auf 56 Jahre erhöht.

Junge Familien der Altergruppe 25/40 stellen daher für die zukünftige Entwicklung die wichtigste Zielgruppe dar.

Die Forschungsergebnisse der Studie zeigen außerdem ein großes Interesse an kleineren, für Wochenendtörns nutzbaren Booten. 50% der aktuellen Segelbootflotte beispielsweise entfallen auf die Bootsklasse 5,5 – 8,5 m Länge. Bootsgrößen, die in den letzten Jahren kaum ein Serienboothersteller mehr im Programm hatte.

Die Chancen stehen nicht schlecht, dass zukünftig wieder mehr junge Menschen für den Bootssport begeistert werden können.

            Studie „Strukturen im Bootsmarkt“. Ergebnisse abrufbar unter:
             www.bvww.org/index.php

Der Prozess des Umdenkens hat begonnen. So hat Dehler Yachts, ein Unternehmen der HanseYachts AG, inzwischen die Varianta 18 als preiswerten, trailerbaren Daysailer und Weekender ins Produktionsprogramm aufgenommen. Ein innovatives Konzept, modernste Materialien und Design soll die Erfolgsgeschichte der Varianta, die bis 1982 produziert wurde, fortsetzen. Dies kommt nicht nur dem Freizeitverhalten und Finanzbudget junger Familien entgegen sondern fördert auch eine frühzeitige Markenbindung.

Eine weitere Entwicklung sollte den Einstieg in den Bootssport begünstigen. Bereits heute haben sich die Gebrauchtbootpreise deutlich reduziert. Diese Entwicklung wird sich durch die mit der demographischen Entwicklungen einhergehenden Vergrößerung des Gebrauchtbootmarktes weiter verstärken und einen preiswerten Einstieg in den Bootssport ermöglichen.

Ausrüstung, Zubehör, Dienstleistung

Deutlich konjunkturstabiler als das Neu- und Gebrauchtbootgeschäft zeigen sich die Bereiche Ausrüstung/Zubehör, Reparatur/Service und Wassertourismus. Die rund 490.000 deutschen Bootseigner investieren auch weiterhin in den Werterhalt ihrer Boote und Yachten. Der Chartermarkt profitiert vom allgemeinen Trend, die schönsten Tage des Jahres in heimischen Gefilden zu verbringen. So sind insbesondere die in Deutschland stationierten Flotten gut gebucht.

Die Konjunkturumfrage des Verbandes zum Jahresende bestätigt diese Einschätzung. 54,8% der Unternehmen im Ausrüstungsbereich (Service/Wartung 69,2%; Charter 77,2%) beurteilen die Geschäftslage gleich gut oder besser im Vergleich zum Vorjahr.

 

Tauchsport

Auch der Tauchsportmarkt hat sich in wirtschaftlich schwierigen Zeiten gut behaupten können. Die Umsätze an den Fachhandel lagen nach den ersten drei Quartalen knapp über dem Vorjahresniveau.

Nach einer Umfrage des Tauchsportindustrie-Verbandes (tiv), die anlässlich der boot Düsseldorf 2010 der Öffentlichkeit vorgestellt wird, ist das Interesse am Tauchsport weiterhin ungebrochen. Danach üben rund 420.000 Taucher gelegentlich oder regelmäßig ihr Hobby aus. Die rund 190.000 „Intensivtaucher“ bilden eine starke Basis für die Tauchsportindustrie. Jährlich absolvieren rund 39.000 Neueinsteiger eine Tauchsport-ausbildung.

Insgesamt, über alle Branchensegmente betrachtet, rechnet der Bundesverband Wassersportwirtschaft für das Jahr 2009 mit einem Gesamtumsatz von 1,65 Mrd. Euro für den deutschen Wassersportmarkt. Dies bedeutet einen Umsatzrückgang von 10,5% im Vergleich zum Vorjahr.

Aussichten

Alle Anzeichen sprechen dafür, dass die Talsohle im Bootsbereich durchschritten ist. Dennoch ist eine durchgreifende Erholung trotz leicht verbesserter allgemeiner Konjunkturdaten noch nicht in Sicht. Hinzu kommt, dass weltweit noch immer erhebliche Bootsbestände auf dem Markt sind, deren Abverkauf eine Erhöhung der Produktionskapazitäten dämpft und den Preisdruck erhöhen wird. Dennoch fällt die Einschätzung der Unternehmen für die nächste Saison positiv aus: 71,6% (Vorjahr: 42,0%) glauben, dass sich die Konjunktur gleich gut oder besser als im Vorjahr entwickeln wird.

 

Die weitere Entwicklung wird auch davon abhängen, ob die Banken ihrer Aufgabe Wirtschaft und Verbraucher mit liquiden Mitteln auszustatten, zukünftig wieder nachkommen werden. Vor diesem Hintergrund spielen Warenbestands- und Absatz-finanzierungskonzepte von Banken oder Herstellern eine große Rolle.

Dennoch geht die Branche mit Schwung und Optimismus auf die boot 2010. Die Faszination Wassersport insgesamt, aber auch neue innovative Bootskonzepte sowie preislich attraktive Sondermodelle werden dem Markt neue Impulse geben.

Köln, den 14. Januar 2010

Bundesverband Wassersportwirtschaft e.V.
Gunther-Plüschow-Str. 8
50829 Köln (Ossendorf)

Ansprechpartner: Jürgen Tracht

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