BUNDESVERBAND WASSERSPORTWIRTSCHAFT E.V.

Überwiegend freundlich


Die stabile wirtschaftliche Lage in der Wassersportwirtschaft hält an. 81 Prozent der im Rahmen der BVWW-Konjunkturumfrage zur Jahresmitte befragten Unternehmen beurteilen die Geschäftslage gleich gut oder besser als im vorangegangenen Jahr. Das sind rund sechs Prozent weniger als im Vorjahr.

Kaltes Frühjahr – maue Umsätze

Hauptgrund für die kleine konjunkturelle Delle dürfte das kalte Frühjahr sein, mit Eis bis in den April hinein. Vom ersten maritimen Fixtermin Ostern konnten also in diesem Jahr keine positiven Impulse erwartet werden. Die Boote blieben länger im Winterlager als erwartet, und die sonst üblichen Servicetätigkeiten wurden auf bessere Zeiten vertagt. Das Ergebnis: Die Umsätze im ersten Quartal waren mau. Das traf ganz besonders den Ausrüstungsbereich. Und als dann nach den ersten warmen Sonnentagen die Boote schnell ins Wasser mussten, blieben manche geplanten Servicearbeiten auf der Strecke. „Das machen wir dann im nächsten Jahr“, hieß es bei vielen Yachteignern. Das Resultat sind Umsatzrückgänge, die die meisten Unternehmen in diesem Jahr wohl kaum noch kompensieren können.

Boote und Yachten bleiben gefragt

Die Nachfrage nach Booten und Yachten bleibt weiterhin auf einem hohen Niveau. Bei Booten über 7,5 m Länge registrierten 35 bis 40 Prozent der Motorboothändler Umsatzzuwächse im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Weniger zufrieden waren die Händler von Motorbooten unter 7,5 m Länge. Immerhin spricht ein knappes Drittel der Unternehmen von Umsatzeinbußen. Ungewöhnlich für ein Marktsegment, das in den letzten fünf Jahren kontinuierlich gewachsen ist.

Über die Gründe lässt sich trefflich spekulieren. Einerseits könnte nach der mehrjährigen Wachstumsphase eine gewisse Marktsättigung eingetreten sein, andererseits, so berichteten viele Kunden von der boot Düsseldorf 2018, konnten etliche Hersteller zu diesem Zeitpunkt keine rechtzeitige Auslieferung zum Saisonstart mehr garantieren. An zu langen Lieferzeiten könnte also auch so mancher Verkaufsabschluss gescheitert sein. Wer möchte schon heute Geld für ein Boot ausgeben, das er erst in der übernächsten Saison nutzen kann.

Auch im Segelbootbereich steigt die Nachfrage nach größeren Yachten, besonders jenseits der 60 Fuß Bootslänge. Darauf haben die Hersteller, wie die umfassende Präsentation dieser Bootsklasse auf der letzten boot Düsseldorf eindrucksvoll gezeigt hat, längst reagiert. Gleiches gilt für Katamarane, die inzwischen auch an die Ostsee gehen und längst nicht mehr alle im Mittelmeer oder in der Karibik ausgeliefert werden. Darauf werden sich die hiesigen Yachthäfen zukünftig vermehrt einstellen müssen.

Besonders erfreulich und ein gutes Signal für die Zukunft des Segelsports: Die Nachfrage nach kleineren Segelyachten unter 7,5 m Länge steigt. Die wenigen Hersteller, die sich um dieses Marktsegment kümmern, sind weitestgehend ausgebucht. Schade, dass die marktführenden Hersteller dieses Segment so wenig beachten, wenngleich unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten natürlich nachvollziehbar. Andererseits dürfte es aber dennoch wichtig sein, zukünftige Segler möglichst früh an die eigene Marke zu binden.

Chartermarkt wächst stetig

Für die Vermieter von Segelyachten könnte die Geschäftslage besser nicht sein. Sämtliche aus diesem Marktsegment befragten Unternehmen bewerten die aktuelle Geschäftslage gleich gut oder besser als im Vorjahr. Gleiches gilt für die Vercharterer von Hausbooten. Zwar wird das Geschäft immer weniger planbar, da der Anteil kurzfristiger Buchungen ansteigt, das jedoch tut der insgesamt positiven Entwicklung keinen Abbruch. Auch bei anderen Urlaubsformen erwarten die Gäste mehr Flexibilität und buchen lieber häufiger einmal einen Kurzurlaub, statt wie in früheren Zeiten für den Jahresurlaub alles auf eine Karte zu setzen.

Positive Rückmeldungen geben auch die Vermieter von Kanus und Kajaks. Rund 95 Prozent der Anbieter sprechen hier von gleich guten oder besseren Geschäften im Vergleich zum Vorjahr. Die Outdoor-Sportart ist naturgemäß ganz besonders von den Wetterbedingungen, und hier insbesondere an den Wochenenden, abhängig. Die perfekten Wetterverhältnisse, die seit Mitte April in den meisten Regionen vorherrschen, sorgen für eine sehr gute Auslastung.

Wie eingangs bereits angesprochen, hatte der Bereich Ausrüstung & Zubehör besonders unter dem eiskalten Klima bis Mitte April zu leiden. So fiel das sonst so gute Ostergeschäft falls vollständig aus. Inzwischen hat sich die Lage wieder normalisiert. Inwieweit die erlittenen Umsatzeinbußen im Verlauf des Jahres noch ausgeglichen werden können, bleibt jedoch fraglich. Für eine abschließende Prognose ist es derzeit sicherlich noch zu früh.

Qualifiziertes Personal dringend gesucht

Die Personalsituation in der Branche bleibt angespannt. 40,2 Prozent der befragten Unternehmen planen innerhalb des laufenden Jahres Personaleinstellungen. Dringend gesucht werden vor allem ausgebildete Mitarbeiter im kaufmännischen, besonders aber im technischen Bereich. Eine Untersuchung des Verbandes legt nahe, dass derzeit rund 15 Prozent der Arbeitsplätze nicht mit adäquaten Mitarbeitern besetzt werden können.

Der Verband hat daher beschlossen, eine bundesweite PR Kampagne zu starten, um die Wassersportbranche als Arbeitgeber in der Öffentlichkeit besser und erfolgversprechender zu positionieren. Dadurch sollen die Branchenunternehmen bei ihrer Personalsuche wirkungsvoll unterstützt werden. Eine Hamburger PR Agentur wurde beauftragt, ein entsprechendes Kampagnenkonzept zu entwickeln und zur boot Düsseldorf 2019 an den Start zu bringen. Das Konzept soll im Herbst der Branchenöffentlichkeit im Detail vorgestellt werden.

Wissensplattform des BVWW

Mindestens ebenso wichtig wie die begleitenden Maßnahmen durch den Verband ist es, das eigene Unternehmen auf die neuen personellen Herausforderungen vorzubereiten. Nur ein attraktiver Arbeitgeber hat Chancen, freie Stellen im Unternehmen durch qualifizierte Mitarbeiter zu besetzen. Und die können sich heutzutage ihren Arbeitgeber aussuchen. Mit anderen Worten: Es gilt, die Vorteile des eigenen Unternehmens herauszustreichen. Dabei geht es um weit mehr als Lohn und Gehalt. Auch die Rahmenbedingungen müssen stimmen.

Personalthemen wie Mitarbeiterbindung, Führungskultur, Kommunikation und strategische Lohngestaltung nehmen auf der neuen Wissensplattform „Sicher Wissen“ – www.bvww.org/mitgliederservice/sicher-wissen/– des Bundesverbandes breiten Raum ein. Mitgliedsunternehmen des Verbandes können sich hier durch Video-Vorträge auf die neuen Herausforderungen vorbereiten.

Vorsichtig optimistisch

Den Konjunkturverlauf in den kommenden zwei bis drei Jahren schätzen die befragten Unternehmen mit etwas mehr Zurückhaltung als im letztem Jahr ein. 40,2 Prozent der Unternehmen glauben an weitere Umsatzsteigerungen. Das sind immerhin rund 13 Prozent weniger als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres.

Aus Verbandssicht gibt es hinsichtlich der konjunkturellen Entwicklung wenig Grund zur Sorge. Die Arbeitslosenquote ist mit fünf Prozent auf einem sehr niedrigen Niveau, die Inflationsrate gering, und die Wirtschaftsforschungsinstitute sehen für 2018 ein Wachstum des Bruttoinlandsproduktes von zwei Prozent
und für das kommende Jahr von 1,5 Prozent voraus. Kein Grund zur Sorge also, wäre da nicht der Handelsstreit mit den Vereinigten Staaten, der der Exportnation Deutschland durchaus zusetzen könnte. Trotz insgesamt positiver Aussichten, es bleiben auch Risiken.