BUNDESVERBAND WASSERSPORTWIRTSCHAFT E.V.

Presseinformation - "Schleusensperrung wirtschaftliche Tragödie für Unternehmen"

 

 

 

 

- Durch Sperrung der Schleuse Zaaren bis zum 1. August wassertouristische Hauptschlagader für mehr als Hälfte der Saison unterbrochen
- Branche: Schaden in Millionenhöhe zu befürchten
- Mecklenburgische Seenplatte und weite Teile der Brandenburgischen Seenplatte - wenn auch nicht verbunden - weiterhin befahrbar
- Appell an Bundesverkehrsminister: Schneller Abschluss der Bauarbeiten, Ausgleich und Planungssicherheit für die Unternehmen, Gesamtstrategie für die Infrastruktur-Instandsetzung

2. März 2019 - Die Bauzeit und damit die Sperrung der wassertouristisch bedeutsamen Schleuse Zaaren verlängert sich laut Pressemitteilung der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes vom 1. März 2019 abermals: Die Wiederinbetriebnahme wird nun erst zum 1. August 2019 angekündigt. Der Wassertourismusbranche entsteht durch die nun einen Großteil der Saison andauernde Sperrung ein Schaden in Millionenhöhe. Etliche Unternehmen sehen sich in ihrer Existenz bedroht. Der Region entgehen immense Gästezahlen. Der Verlust von Stammkunden sowie der Imageschaden werden in den kommenden Jahren nachwirken.


Die Hauptschlagader durchtrennt

„Es ist, als trennt man die Hauptschlagader durch“, fasst Peter Heydenbluth, Präsident der Industrie- und Handelskammer Potsdam, der an dieser Stelle für das Bündnis für Wasserstraßen spricht, die Situation bildlich zusammen. Die Schleuse Zaaren liegt an der Oberen-Havel-Wasserstraße am Kilometer 36,08 und damit an der Hauptverbindung zwischen Berlin, der Brandenburgischen und der Mecklenburgischen Seenplatte. Jährlich passieren rund 10.000 Sportboote diese Schleuse. Eine wasserseitige Umfahrung, auch weiträumig, besteht aufgrund der gleichzeitigen Sperrung der Schleuse Garwitz an der Müritz-Elde-Wasserstraße nicht. Auch unmittelbare Ausweichgewässer für Bootsfahrer mit Charterschein, wie die Templiner Gewässer, sind gegenwärtig aufgrund einer weiteren Sperrung - der Schleuse Kannenburg - nicht erreichbar.


Mecklenburgische Seenplatte und weite Teile der Brandenburgischen Seenplatte – wenn auch nicht verbunden – weiterhin befahrbar

Das Fahren in der Mecklenburgischen Seenplatte ist von der Schleusensperrung nicht betroffen. Das Gebiet nördlich von Fürstenberg und Rheinsberg sowie die Müritz und die großen Seen bis Plau am See sind ohne Einschränkungen durchgehend befahrbar. Gleiches gilt innerhalb der Brandenburgischen Seenplatte: Hier stehen beispielsweise die Reviere Finowkanal und Langer Trödel, Werbellin-See und die Ruppiner Gewässer ohne Einschränkung zur Verfügung.


Sperrung allein im April und Mai kostet Unternehmen 790.000 Euro

Zugleich laufen bei den Unternehmen der Wassertourismusbranche die Saisonvorbereitungen auf Hochtouren. IHK-Präsident Heydenbluth erklärt: „In der Wassersportsaison vom 1. April bis zum Oktober oder sogar bis in den November erwirtschaftet die Branche ihren Jahresumsatz.“ Gelang es manchen Unternehmen noch, sich mühsam auf die ursprünglich angekündigte Sperrung bis Ende April einzustellen, war schon die im Februar erste angezeigte verlängerte Bauzeit bis mindestens Ende Mai ein harter Schlag: Unternehmen wurden gezwungen, ihre Boote aus Winterlagern südlich der Schleuse Zaaren unter erheblichem Kostenaufwand auf dem Landweg zu ihren Charterbasen in der Mecklenburgischen Seenplatte bzw. in die umgekehrte Richtung zu überführen. Buchungen, die häufig ein Jahr und mehr im Voraus für bestimmte Reviere und auch Überführungsfahrten zu Saisonbeginn getätigt werden, müssen von den Unternehmen storniert und die Kunden entschädigt werden.

Auf Abfrage des Bündnisses für Wasserstraßen entsteht allein für die Monate April und Mai 15 unmittelbar betroffenen Charterunternehmen der Region ein Schaden von 790.000 Euro. Einzelne Unternehmen verzeichnen durch Stornierungen und Entschädigungen der Kunden finanzielle Schäden von 6.000 EUR bis zu 140.000 EUR nur in diesen beiden Monaten. Die entfallenden nachgelagerten Ausgaben für Gastronomie, Einkäufe und Freizeitwirtschaft in der Region sind hierbei noch nicht berücksichtigt.


Vom verspäteten Saisonbeginn zum Saisonausfall

Peter Heydenbluth sagt: „Doch nun droht eine wirtschaftliche Tragödie: Von einer deutlich höheren Schadenssumme in Millionenhöhe ist seit der Ankündigung auszugehen, dass die Sperrung für zwei weitere Monate in der Hauptsaison andauern wird. Etliche Unternehmen sehen sich in ihrer Existenz bedroht.“ Der Verlust von Stammkunden sowie der Imageschaden für die Region würden auch in den kommenden Saisons nachwirken. Mit dem Bekanntwerden der länger andauernden Sperrung ist ein Nachfragerückgang zu verzeichnen. Größere, zum Teil international agierende Charterunternehmen, buchen ihre Kunden in andere Reviere um, gar ein Rückzug aus der Region könnte die Konsequenz sein. Dies wiegt besonders schwer, da die Wassertourismusbranche in den vergangenen Jahren ein starkes Wachstum verzeichnete und die Investitionsbereitschaft der Unternehmen, bei gegebener Planungssicherheit, grundsätzlich unverändert hoch wäre.


Forderungen des Bündnisses für Wasserstraßen zur Schleuse Zaaren

Im Interesse des für Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern bedeutenden Wassertourismus fordert das Bündnis für Wasserstraßen einen schnellst möglichen Abschluss der Bauarbeiten an der Schleuse Zaaren unter Anwendung sämtlicher zur Verfügung stehender Beschleunigungsmöglichkeiten wie Mehrschichtbetrieb, Schleusung von Hand etc. Für einen Dialog mit den Unternehmen und die Suche nach gemeinsamen Lösungsansätzen steht das Bündnis dabei gern zur Verfügung. Das Bündnis hat in einem Brief an Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer appelliert, Hilfeleistung für die betroffenen Unternehmen und konkrete Unterstützung bei der durch die Schleusensperrung erforderlichen Überführung von Booten auf dem Landweg bereitzustellen. Bisher gibt es dazu keine Antwort.


Gesamtstrategie und Personal für anstehende Instandsetzungen erforderlich

Dem Bündnis für Wasserstraßen ist bewusst, dass eine Instandsetzung zahlreicher maroder Schleusen zwingend notwendig ist: Der Altersmittelwert der Schleusen beläuft sich auf 105 Jahre. Der vorhandene Investitionsstau muss behoben und ein touristisch attraktives Netz aus Bundes- und Landeswasserstraßen nachhaltig gesichert werden. Gleichzeitig benötigen Unternehmen Planungssicherheit. Entsprechend gilt es, eine Gesamtstrategie für die Instandsetzung der Schleusen zu erstellen, eine Transparenz der Priorisierung der Baustellen für die nächsten Jahre zu schaffen und die Wirtschaft auf regionaler Ebene rechtzeitig einzubeziehen. Auch hierfür stehen das Bündnis bzw. die unterzeichnenden Organisationen bereit. Grundlage für eine zügige Umsetzung von Baumaßnahmen weitestgehend außerhalb der Saison ist, die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes mit dem erforderlichen Personal auszustatten. Dieses wurde durch den Reformprozess der vergangenen Jahre erheblich reduziert.


Bündnis für Wasserstraßen

Das Bündnis für Wasserstraßen setzt sich aus Industrie-und Handelskammern, Verbänden, Wassertourismusinitiativen und weiteren Partnern zusammen und engagiert sich für den Wassertourismus, die Wassertourismusbranche und den Erhalt der wassertouristischen Infrastruktur in Deutschland.


Unterstützer:

Bundesverband Wassersportwirtschaft e.V.
Deutscher Motoryachtverband
DEHOGA Brandenburg e. V.
IHK Berlin
IHK Cottbus
IHK Magdeburg
IHK Ostbrandenburg
IHK Potsdam
Die IHKs in Mecklenburg-Vorpommern
Kammerunion Elbe/Oder
Landestourismusverband Brandenburg e. V.
Netzwerk Deutsche Wasserwege
TMB Tourismus-Marketing Brandenburg GmbH
Tourismusverband Mecklenburgische Seenplatte e.V.
Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern
Unser Finowkanal e. V.
Verein zur Förderung des Stromgebietes Oder/Havel e.V.
Wassertourismusinitiative Brandenburg Süd-Ost
Wassertourismus Initiative Nordbrandenburg

Kontakt/Ansprechpartner

Industrie- und Handelskammer Potsdam
Barbara Nitsche
Fachbereichsleiterin Existenzgründung und Unternehmensnachfolge
Tel. 0331 / 2786-163
barbara.nitsche(at)ihk-potsdam.de


Landestourismusverband Brandenburg e. V.
Peter Krause
Geschäftsführer
Tel. 03391 / 40 26 00
krause(at)ltv-brandenburg.de


Wassertourismus Initiative Nordbrandenburg (WIN)
Julia Pollok
Leiterin WIN-Projektbüro
Tel. 03302 / 559-252
pollok(at)winto-gmbh.de