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Altlastfrei Kurs Zukunft


Bavaria Yachtbau: Der Umbau ist abgeschlossen – Jahresproduktion von 400 bis 500 Booten angepeilt

Das Jahr 2018 war für Bavaria Yachtbau in Giebelstadt ein Schicksalsjahr – mit Rückschlägen, Hoffnungen und einem glücklichen Ende. Der 19. Januar 2019 wird nun als Meilenstein in die Geschichte der fränkischen Bootswerft eingehen. Zeitgleich mit dem Eröffnungstag der diesjährigen boot in Düsseldorf nahm die beim Frankfurter Amtsgericht eingetragene Bavaria Yachtbau GmbH, ein Portfoliounternehmen des CMP German Opportunity Fund III, als komplett neue Gesellschaft ihren Geschäftsbetrieb auf. Altlastenfrei (vor allem befreit von den Zinsen für den Kaufpreis, den Bain Capital 2007 gezahlt hat) blickt man optimistisch in die Zukunft. Übernommen wurden die Immobilien, Maschinen, Werkzeuge, Formen, Lizenzen und Mitarbeiter. Mit den Lieferanten und Händlern wurden neue Verträge und Vereinbarungen geschlossen.

Die eigentliche Stunde Null der neuen Bavaria schlug allerdings schon zuvor, am 17. Oktober 2018, mit der Freigabe des Bundeskartellamts für den Kauf durch CMP Capital Management-Partners. Aus Insolvenzrechtsgründen firmierte das Unternehmen danach 100 Tage lang, bis zum Eintrag beim Frankfurter Amtsgericht, übergangsweise als Mertus 464. GmbH. Am Tage Null waren die Aufträge der alten Bavaria abgearbeitet, liefen die Produktionsbänder für neue Aufträge an, gut 100 zählte man bereits bis zum 19. Januar 2019. Aktuell ist eine Jahresproduktion von 400 bis 500 Segel- und Motorbooten angepeilt.

„Wir wollen, dass unsere hervorragend ausgebildeten und engagierten Mitarbeiter vorrangig alle Yachten in eigener Regie entwickeln und bauen. Die Belegschaft identifiziert sich sehr mit Bavaria Yachtbau, sie ist der Kern unseres Unternehmens“, erklärte Geschäftsführer Erik Appel, seit Dezember 2017 Chief Operating, zur Stunde Null. „Deshalb wollen wir das Stammpersonal weiter aufbauen und gleichzeitig das Verhältnis der Leiharbeitnehmer verringern. Das hilft erheblich, Produktionskosten zu senken. Um die Leistungsfähigkeit der Werft zu erhöhen, werden wir das eigene Engineering, also die technische Entwicklung von Yachten, wieder bei Bavaria Yachtbau konzentrieren, interdisziplinäre Teams sind bereits gebildet. So werden wir die Übergabe neu entwickelter Modelle vom Engineering in die Produktion besser organisieren und Kosten senken. Das Engineering und der Möbelbau werden als Kernkompetenzen im eigenen Haus fortgeführt.“

Nach den ersten 100 Tagen steht fest: Bavaria Yachtbau hat nach der Insolvenz neun Monate zuvor wieder Fuß gefasst. Wobei nicht übersehen werden darf, dass es sich beim neuen Eigentümer CMP Capital Management-Partners aus Berlin um ein Unternehmen handelt, das sich auf die Restrukturierung von deutschen mittelständischen Betrieben spezialisiert hat, auf Unternehmen, die über einen gesunden operativen Kern verfügen, sich jedoch in einer Situation notwendiger Veränderung befinden. Ziel ist es, diese wieder in geordnete Bahnen zu lenkten, um sie zu gegebener Zeit als stabiles Unternehmen wieder zu veräußern.

Die Geschichte von Bavaria

1978 gründete Winfried Herrmann, der ursprünglich Fenster fertigte, im fränkischen Giebelstadt die Bavaria-Yachtbau und nahm eine Serienfertigung auf, wie man sie im deutschen Bootsbau damals so noch nicht kannte. Henry Ford und die Fließbänder der Automobilindustrie waren Herrmanns große Vorbilder. 1984 stieg Yachtcharter-Vermittler Josef Meltl als Teilhaber ein und richtete Bavaria stärker auf den Chartermarkt aus. 2006 beschäftigte das Unternehmen 600 Mitarbeiter und produzierte rund 3.500 Segel- und Motoryachten im Jahr.

Im Juni 2007 verkauften Herrmann und Meltl die Werft an Bain Capital, einen amerikanischen Finanzinvestor. Von 1,3 Milliarden Euro war die Rede, den Kaufpreis samt Zinsen musste Bavaria am Finanzmarkt aufnehmen. Im Oktober 2009 veräußert Bain Capital die Werft an die US-Hedgefonds Anchorage Advisors und Oaktree Capital Management.

Im April 2018 schockte die Insolvenz von Bavaria Yachtbau GmbH die Branche. CEO Lutz Henkel schied aus der Geschäftsführung aus. Das Amtsgericht Würzburg ordnete die vorläufige Eigenverwaltung an. Eigenverwaltung bedeutet: Die Geschäftsführung ist voll handlungsfähig. Löhne und Gehälter Gehälter wurden über Insolvenzgeld bis Juni 2018 gesichert. Zum vorläufigen Sachwalter wurde Dr. Hubert Ampferl bestellt, Dr. Tobias Brinkmann, Fachanwalt fü Insolvenzrecht, trat in die bisherige Geschäftsführung ein. Der Auftragsbestand wurde abgearbeitet, oberste Priorität genoss die Suche nach einem Investor. Im Mai 2018 galt die Produktion als stabilisiert, Auslieferungen erfolgten kontinuierlich. Alle wesentlichen Lieferanten sagten weitere Belieferung zu.

Im September 2018 vermeldete CMP Capital Management-Partners den Kauf von Bavaria Yachtbau mit Zustimmung des Gläubigerausschusses von der Eigenverwaltung unter Vorbehalt der Freigabe durch das Bundeskartellamt. CMP Capital Management-Partners ist eine deutsche Beteiligungsgesellschaft, die sich seit ihrer Gründung im Jahr 2000 auf die Übernahme von Unternehmen in Turnaround- und Umbruchsituationen in Deutschland, Österreich und der Schweiz spezialisiert hat. Der Restrukturierungsexperte und Partner der CMP, Dr. Ralph Kudla, trat in die Geschäftsführung ein. Im Oktober 2018 wurde der Kaufvertrag unterzeichnet, die Freigabe des Bundeskartellamts lag vor. Aus Insolvenzrechtsgründen firmierte die Werft für den Übergang als Mertus 464. GmbH. Angekündigt wurde eine Fokussierung des aktuellen Portfolios von zu dem Zeitpunkt 26 Modellen auf zehn bis zwölf am Markt  nachgefragte und leistungsstarke Modelle. Die Produktion der Katamarane in Rochefort wurde wieder eigenständig als Nautitech und untersteht direkt CMP als Eigentümer.

Am 19. Januar 2019 hatte die Mertus 464. GmbH ausgedient, die Werft trat auf der boot 2019 unter dem Namen Bavaria Yachtbau Holding GmbH als komplett neue Gesellschaft an. Geschäftsführer sind Dr. Ralph
Kudla, Michael Müller, Erik Appel und Peter Rindler.