BUNDESVERBAND WASSERSPORTWIRTSCHAFT E.V.

Aktive Senioren und nostalgische Trends

2015/16 wurde die Untersuchung über den Stand der Strukturen im deutschen Bootsmarkt aus 2008 mit 15.000 Fragebögen an deutsche Bootseigner wiederholt. Die neuen Daten und der Vergleich mit den Ergebnissen von 2008 ergaben eine Reihe interessanter Ergebnisse.

Die besonders erfreuliche Nachricht: 2008 wurden rund 500.000 Besitzer von Yachten, Sportbooten und Jollen gezählt, 2016 waren es trotz des demographischen Wandels und eines deutlichen Rückganges der Einsteigerzahlen nicht – wie 2008 prognostiziert – rund 50.000, sondern nur rund 20.000 Eigner weniger.

Ursache dieser positiven Entwicklung ist der Trend, dass die älteren Bootseignernicht ab dem 65. Geburtstag „aus Altersgründen“ ihr Boot abgeben, sondern, wie die aktuellen Daten zeigen, bis über das 75. Lebensjahr hinaus an Bord bleiben. Diese Strukturveränderung wurde möglicherweise auch durch die Forschungsarbeitender Forschungsvereinigung für die Sport- und Freizeitschifffahrt (FVSF) (z.B. „Fit & Sail“ und „Normdaten“) gefördert.

Der Zuwachs von rund zehn Jahrgängen im Bootssport ist allerdings nur einmalig. In den kommenden Jahren werden wir aus der zunehmend älter werdenden Bootseigner-Population pro Jahr ca. 9.000 Eigner verlieren, bei einer für die kommenden Jahre geschätzen Rate von etwa 6.000 bis 7.000 Neueinsteigern pro Jahr. Der aktuelle Stand von rund 480.000 Bootsbesitzern im Jahr 2016 wird dann bis 2025 auf voraussichtlich rund 470.000 Eigner zurückgehen. Das ist deutlich besser, als noch vor acht Jahren befürchtet.

Eine spezielle Konsequenz des demographischen Wandels im Bootssport zeigt die Graphik „Trend: Anzahl Bootseigner/Altersgruppe“ für die Altersgruppen 30 bis 75+: Die Anteile der „jungen“ Altersgruppen von 31 bis 45 und von 46 bis 60 Jahren werden kontinuierlich kleiner. Ab 2025 dominiert die Altersgruppe 61 bis 75 Jahre in den Häfen. Auch die Zahl der „alten Senioren“ der Altersgruppe 75+ wächst kontinuierlich. Sie hat sich seit 2007 bis 2015 bereits verdoppelt und wird bis 2025 weiter anwachsen.

Deutlich verändert hat sich seit 2008 auch der Bootsmarkt. Bereits 2008 wurde beobachtet, dass die Bootsbesitzer im Durchschnitt etwa alle zehn bis 15 Jahre ihr „altes“ Boot gegen ein „neues“ austauschen, daran hat sich nach den aktuellen Daten kaum etwas geändert. Pro Jahr ergibt sich dadurch ein Bootsmarkt mit rund 20.000 bis 30.000 Bootswechseln pro Jahr, zuzüglich der Neueinsteiger.

Da in den hier betrachteten Bootsarten in Deutschland zurzeit nur rund 3.000 Neuboote pro Jahr verkauft werden (gegenüber von rund 6.000 Neubooten pro Jahr in den Jahren vor 2008), suchen sich die Interessenten ihr Traumboot überwiegend auf dem Gebrauchtbootmarkt.

Der Unterschied zu 2008 besteht darin, dass sich vor acht Jahren noch etwa 30 Prozent der Bootsbeschaffungen auf „neue“ Modelle der Baujahre 2000 bis 2008 konzentrierte. 2016 ist das Interesse an „aktuellen“ Designs auf rund 15 Prozent gesunken. Stattdessen sind zurzeit bei den Motorbooten die Baujahre 1990 bis 1999 und bei den Segelbooten die Boote aus den „goldenen“ Baujahren 1970 bis 1979 besonders beliebt (s. Graphik „Baujahr der Boote Beschaffungen 2010-2016“). Es ist sicher interessant, über die Hintergründe dieses unerwarteten nostalgischen Trends nachzudenken.

Eine komplette Zusammenfassung der Projektergebnisse und der vollständige Projektbericht (nur für Mitglieder des BVWW) finden Sie im Internet unter Opens internal link in current windowwww.bvww.org => Forschung => Forschungsprojekte => Strukturen im Bootsmarkt update 2016. Fragen und Hinweise gerne an mell@fvsf.de.