BUNDESVERBAND WASSERSPORTWIRTSCHAFT E.V.

Nebenwasserstraßen werden nicht entwidmet


Die Bundeswasserstraßen sind stark in die Jahre gekommen. Es gibt erheblichen Sanierungsstau. Das Bundesverkehrsministerium will die Nebenwasserstraßen nun doch behalten und die Anlagen erneuern. Unklar ist noch, wann das passiert und wie viel es kostet.

Neubrandenburg, 25. April 2017. Die ursprünglich geplante Herabstufung von touristisch wichtigen Wasserstraßen durch den Bund ist endgültig vom Tisch. «Der Bund wird weiter auch für Nebenwasserstraßen sorgen, wir haben das Thema Entwidmung begraben», sagte Jochen Kies, zuständiger Referatsleiter des Bundesverkehrsministeriums vor Unternehmern in Neubrandenburg am Dienstag. Die enorm wichtigen Wasserwege, wie um Berlin sowie Müritz-Havel- und Müritz-Elde-Wasserstraße sollen technisch instandgehalten und erneuert werden. Damit trat Kies Befürchtungen im Tourismus entgegen, dass das Wassertourismuskonzept des Bundes zusammen mit dem Programm «Blaues Band» des Umweltressorts dem Wassertourismus schade.

 «Im Gegenteil, wir sorgen mit dieser Aufspaltung endlich dafür, dass Nebenwasserstraßen nicht mehr gegen die Hauptwasserstraßen ausgespielt werden können», sagte Kies. Von rund 7000 Kilometern Bundeswasserstraßen sind 2800 Kilometer Nebenwasserstraßen. Dazu kämen bundesweit 120 Wehre und 140 Schleusen, von denen die meisten in den Nebenwasserstraßen liegen. Die Wasserstraßen in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg gehörten dabei zu den Wasserwegen mit den mit Abstand höchsten Schleusungszahlen. «Ihre Nebenwasserstraßen hier sind die wichtigsten Reviere in Deutschland.»

Der Sanierungsstau sei aber ebenfalls groß. So müssten etwa 80 Prozent der wasserbaulichen Anlagen repariert oder erneuert werden. Für die Wasserwege von Berlin zur Müritz, nach Schwerin und zur Elbe sollen die Anlagen, die meist um die 100 Jahre alt sind, möglichst lange gut gewartet und gepflegt werden. Konkrete Zahlen konnte der Experte hier noch nicht nennen. «Wenn da was erneuert werden muss, wird das teuer.» So koste allein die Erneuerung der Schleuse Steinhavel in Nordbrandenburg rund 20 Millionen Euro.

Unternehmer wie Harald Kuhnle, der einen der größten deutschen Hausbootvermieter mit eigener Werft in Rechlin an der Mecklenburgischen Seenplatte leitet, bleiben trotzdem skeptisch. «Wir hoffen, dass nicht einmal eine der alten Schleusen gerade im Sommer kaputt geht, dann wäre die Wasserstraße nach Berlin nicht mehr durchgängig befahrbar», sagte Kuhnle. «Die Netzfähigkeit unserer Wasserwege muss erhalten bleiben», erklärte Gerd Lange vom Schweriner Wirtschaftsministerium. Davon hingen auch viele Investitionen ab. Das sicherte Kies zu. Ein Problem seien eher die mitunter aufwendige Planung und die nötigen Fachleute.

Als Erfolg werteten alle Seiten, dass die zuständige Bundeswasser- und Schifffahrtsverwaltung nun auch eine eigene Abteilung für die Nebenwasserstraßen bekommen hat. Deren Leiter sitze in Magdeburg. In die Kategorie «naturnahe Gewässer» wurden Flüsse wie Aller, Werra, Fulda, Ilmenau und Warnow aufgenommen, soweit sie Bundeswasserstraßen sind. Dort sollte es regionale Entwicklungskonzepte geben, die der Bund auch moderieren wolle. «Die Peene bleibt aber wie sie ist – der Amazonas des Nordens», erklärte der Fachmann. Dort gebe es kaum Instandhaltungsaufwand und es müsse aus Bundessicht nichts renaturiert werden. 

Als anderes Beispiel nannte Kies die seit Jahren geschlossene Mühlendamm-Schleuse Rostock. Hier wolle das Land keine Übernahme. Der Bund habe angeboten, eine Bootsgasse für Paddler einzurichten. Nun habe das Landeswirtschaftsministerium eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Davon soll abhängen, was aus dem Wassersportrevier Obere und Untere Warnow wird.

Die Präsidentin des Landestourismusverbandes, Sylvia Bretschneider (SPD), forderte, dass Mecklenburg-Vorpommern auch in den Beirat für das Umweltprogramm «Blaues Band» des Bundes aufgenommen werde. Man dürfe nicht länger an den Betroffenen vorbei agieren, forderte sie.