BUNDESVERBAND WASSERSPORTWIRTSCHAFT E.V.

Hebel auf den Tisch


Mit einer erfolgreichen boot Düsseldorf 2018 ist die Branche positiv ins neue Jahr gestartet. Die extrem kalten Monate Februar und März mit reichlich Schnee und zugefrorenen Gewässern indes verzögerten hierzulande den Höhenflug der maritimen Wirtschaft vorübergehend – insbesondere den im Zubehörgeschäft.

Das Geschäft mit der Wassersportwirtschaft läuft bestens. So könnte man das Ergebnis der Konjunkturumfrage des Bundesverbandes Wassersportwirtschaft zum Jahresende 2017 zusammenfassen. 85,7 Prozent der befragten Unternehmen (im Vorjahr 83 Prozent) bewerten die aktuelle Geschäftslage gleich gut oder besser im Vergleich zum Vorjahr. Dies ist der höchste Wert seit der Finanz- und Wirtschaftskrise im Jahr 2008/2009. Die Entwicklung der maritimen Wirtschaft in Deutschland bewegt sich im Gleichschritt mit der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Besonders positiv: Fast alle Branchensegmente profitieren von dem ungebrochenen Aufwärtstrend – wenngleich in unterschiedlichem Umfang.

Neubootmarkt

Im Neubootsegment rechnen die Hersteller mit deutlichen Umsatzzuwächsen. Diese Entwicklung ist das Resultat des anhaltenden Trends zu größeren Yachten. Hinzu kommt, dassdie Nachfrage nach Segel-Katamaranen weiterhin zunimmt. Insgesamt lässt sich sagen, dass die in der Folge der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 notwendig gewordenen Restrukturierungmaßnahmen inzwischen abgeschlossen sind. Für das gute Marktumfeld spricht auch die große Anzahl an Neuheiten, die von den deutschen und internationalen Bootswerften für die Saison 2018 vorgestellt wurden. Der Trend zu größeren Yachten ist auch im Motoryachtbereich sichtbar. Anders als im Segelbootsegment wächst aber hier auch die Nachfrage nach kleineren, trailerbaren und mit Außenbordmotoren ausgestatteten Booten. Geringere Unterhaltungskosten bei gleichzeitig höherer Flexibilität geben für viele Käufer den Ausschlag. Dieser Trend wird durch die BVWW-Bootsmotorenstatistik bestätigt. Im Leistungsbereich über 60 PS hat der Absatz an Außenbordmotoren im Vergleichszeitraum 1-10/2016 zu 1-10/2017 um 7,7 Prozent zugenommen.


Gebrauchtboote

Für viele und die jährlich rund 6.000 Neueinsteiger in den Bootssport stellen gut gepflegte Gebrauchtboote die erste Wahl dar. Pro Jahr wechseln ca. 18.000 Gebrauchtboote den Besitzer. Viele Neueinsteiger möchten den Bootssport erst einmal in Ruhe ausprobieren, bevor sie sich für eine neues und entsprechend teures Boot entscheiden. Entsprechend hoch ist die Nachfrage. Allerdings zeigt sich immer mehr, dass sehr alte Schätzchen in der Käufergunst stark nachlassen. Sie sind zwar durchaus preiswert, entsprechen hinsichtlich Design und Wohnkomfort jedoch kaum mehr den heutigen Erwartungen. Immerhin ist fast die Hälfte der deutschen Bootsflotte älter als 25 Jahre. Gute Gebrauchte neuerer Produktion finden hingegen
schnell einen neuen Liebhaber.


Service & Wartung

Seit Jahren nimmt die Anzahl der Bootseigner zu, die ihr gutes Stück lieber von einem Fachbetrieb warten lassen, als selbst Hand anzulegen. Der Erfolg dieses Marktbereiches hat allerdings auch seine Schattenseiten. Viele Unternehmen arbeiten inzwischen an der Kapazitätsgrenze. Das führt zu Engpässen in der Saison und beeinträchtigt die Kundenzufriedenheit. Dringend notwendiges zusätzliches technisches Personal hingegen ist Mangelware.


Ausrüstung & Zubehör

Grundsätzlich profitiert jedoch der Bereich Ausrüstung & Zubehör vom mit 61 Jahren vergleichsweise hohen Durchschnittsalter der Bootsbesitzer. Ältere Bootsfahrer verbringen mehr Zeit auf ihren Yachten und wünschen sich hinsichtlich Komfort und Sicherheit einen hohen Ausrüstungsstandard an Bord. Hochwertiges Zubehör wie Heiz-, Kühl- und Kochtechnik, aber auch Multimediaausstattungen stehen daher auf der Wunschliste ganz weit oben. Hinzu kommt, dass vorhandene Yachten länger genutzt werden. Das erfordert regelmäßige Investitionen in den Werterhalt der Yachten. Auch davon profitiert der Ausrüstungsbereich. Umsatz und Gewinn wachsen jedoch nicht proportional. Der Wettbewerbsdruck nimmt erheblich zu. Der Umsatz verlagert sich zudem immer mehr in den Online-Bereich. Das erfordert neue Geschäftsstrategien in einer Branche, die lange Zeit sehr auf den stationären Handel gesetzt hatte.


Bootscharter/Bootsvermietungen

Die Bootsnutzung auf Zeit bleibt ebenfalls auf Wachstumskurs. Gerade bei jüngeren Kundengruppen gilt: Nutzen ist wichtiger als Besitzen. Oft steht nicht die eigene Yacht im Fokus des Interesses, sondern der Spaß an der Freizeitaktivität. Das beflügelt das Vermietgeschäft, wobei sich die verschiedenen Regionen sehr unterschiedlich entwickeln. Es gibt durchaus Destinationen mit Umsatzeinbußen, wie beispielsweise die Türkei, die aus politischen Gründen erhebliche Einbrüche zu verzeichnen hat oder die Karibik, in der Hurrikan „Irma“ eine Spur der Verwüstung auch in den Marinas hinterlassen hatte.


Tauchsport

Der Tauchsportbereich tut sich schwer. Die wichtigste Tauchsportdestination Ägypten erholt sich nur langsam und bleibt aufgrund der politischen Lage fragil. Starke Rückgänge gibt es ebenfalls in der Türkei, deren Küste durchaus für den Tauch - sport geeignet ist. Damit fallen Reviere, die in der Vergangenheit für stetigen Tauchsportnachwuchs gesorgt haben, zumindest teilweise aus. Entsprechend ist die  Umsatzentwicklung, die sich im Bereich Tauchsportzubehör auf dem Vorjahresniveau bewegt. Durchgreifende positive Impulse sind derzeit nicht zu erwarten.


Ausbildung/Wassersportschulen

Wassersport liegt weiterhin voll im Trend. Das bestätigen die beiden führenden Schulverbände Verband Deutscher Sportbootschulen (VDS) und Verband Deutscher Wassersport Schulen (VDWS). Beide Organisationen berichten von guten Geschäften, die lediglich regional durch schlechte Wetterverhältnisse oder politische Krisen beeinträchtigt wurden. Zuwächse sieht der VDS weiterhin im Bereich der Amtlichen Sportbootführerscheine. Bereits zwischen 2007 und 2016 war die Anzahl der Sportbootführerscheine Binnen und See um 28,6 Prozent auf knapp 85.000 Führerscheine angestiegen.


Positiver Ausblick

Nach einer erfolgreichen Wassersportsaison 2017 blickt die Branche mit Optimismus auf die kommende Saison. Tatsächlich gibt es aktuell keinerlei Anzeichen für eine nachlassende maritime Konjunktur. Positive wirtschaftliche Rahmenbedingungen und ein anhaltend niedriges Zinsniveau sorgen für einen robusten privaten Konsum. Schließlich ist es allemal besser, die zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel in eine wertstabile Yacht zu investieren und dauerhaften Freizeitspaß zu genießen, als sich über ausbleibende Zinsgutschriften zu ärgern.