Bundesverband Wassersportwirtschaft e.V.

Auf der boot legte die Branche einen fulminanten Saisonstart hin – um direkt danach in den unheilvollen Sog des Corona-Virus zu geraten

Von einem fulminanten Auftakt und einer regelrechten Punktlandung ins neue Jahrzehnt sprach die boot Düsseldorf in ihrem Schlussbericht: „Die Besucher waren begeistert vom vielfältigen Programm und dem Angebot der über 1.900 Aussteller aus 71 Ländern in den 17 Messehallen. Die internationale Wassersport-Community schwärmte von den neun einzigartigen Tagen in Düsseldorf mit anregendem Austausch, erfolgreichem Business und gemeinsamem Erleben.“

Messechef Werner M. Dornscheidt resümierte die erlebnisreichen Tage der boot 2020: „Die boot ist über ihren eigentlichen Messecharakter weit hinausgewachsen. Sie ist ein Event mit hoher Innovations- und Wirtschaftskraft, verkörpert jedoch auch die Leidenschaft für den Wassersport in einzigartigem Maße. Die vergangenen Messetage haben gezeigt, was für eine großartige Strahlkraft die boot in die Welt hat.“

Mehr als 250.000 Wassersportfans (2019: 247.700) aus 106 Ländern fanden zur boot 2020 den Weg nach Düsseldorf. Davon war rund ein Viertel internationale Besucher. An der Spitze der Länderstatistik stehen die Niederlande, Belgien, Großbritannien, die Schweiz, Italien und Frankreich, sowie aus Übersee die USA und Kanada. „Dieser hohe Wert an internationalen Besuchern zeigt, dass wir mit dem Konzept der boot für die Zukunft sehr gut gerüstet sind“, erklärte boot-Director Petros Michelidakis und ergänzte: „Wir haben hier in Düsseldorf, mitten im nordrhein-westfälischen Binnenland, tatsächlich die international bedeutendste Plattform für den Wassersport geschaffen. Die diesjährige boot hat deutlich die große Innovationskraft der Branche bewiesen. Im Fokus standen alternative Antriebe, Bootsbau aus nachwachsenden Rohstoffen und internationale Projekte für den Meeresschutz.“

Für die Wassersportwirtschaft war die boot Düsseldorf 2020 ein Meilenstein zum Erfolg. Jürgen Tracht, Geschäftsführer des Bundesverbandes Wassersportwirtschaft (BVWW): „Anfang des Jahres müssen sowohl im privaten als auch im professionellen Wassersportbereich neue Entscheidungen getroffen werden. Die Vielfalt im Angebot der boot ermöglichte sowohl Fachleuten als auch Wassersportfans die größtmögliche Auswahl. Nirgends auf der Welt findet sich solch eine Bandbreite an Segelyachten und Motorbooten. Auch war der Einstiegsbereich auf der boot mit „start boating“ und „start sailing“ hervorragend repräsentiert.“

Branche im Krisenmodus

Von einer regelrechten Punktlandung der boot Düsseldorf 2020 kann man auch im übertragenen Sinne sprechen, denn bereits einen Monat später hatte das Coronavirus die Welt voll im Griff.

Inzwischen sind auch die Auswirkungen auf die Branche deutlich spürbar. Besonders betroffen ist das Tourismussegment, also Charterunternehmen, Bootsvermieter, Marinas und Reiseveranstalter, beispielsweise von Kanu- oder Tauchreisen. Reise- und Charterverträge werden storniert, Anzahlungen oder bereits vereinnahmte Provisionen zurückgefordert, touristisch motivierte Übernachtungen werden verboten. Den Touristikunternehmen wurde die Grundlage ihrer Tätigkeit komplett entzogen.

Von Letzterem sind auch Campingplätze und Sportboothäfen betroffen, jedenfalls insofern, als es sich um touristische Übernachtungen handelt. Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein beispielsweise weisen ausdrücklich darauf hin, dass Sportboothäfen oder ähnliche Einrichtungen zu schließen sind. Ob „Schließen“ gleichbedeutend mit „Sperren“ ist, darüber gehen die Meinungen auseinander. Nun schlägt auch die Stunde der Juristen. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass solche Fragen oft nicht bundeseinheitlich, sondern auf der Ebene der Bundesländer bzw. Kommunen entschieden werden – ein Flickenteppich also von unterschiedlichen Regelungen und Interpretationen.

Sollte trotz aller Widrigkeiten doch noch ein Bootsbesitzer eine erste Frühjahrsausfahrt planen, wird er zumindest im Binnenbereich auf den touristisch genutzten Wasserstraßen nicht weit kommen. Die mit WSV-Personal bedienten Schleusen an der Oberen-Havel-Wasserstraße (OHW) und der Müritz-Havel-Wasserstraße (MHW) standen bis mindestens 20. April nicht mehr für den Schiffsverkehr zur Verfügung.

Doch nicht nur das Tourismussegment gerät immer mehr unter Druck. Auch der Bootssektor ist durch die Corona-Krise betroffen. Größere Boote können vom Handel oft nicht ausgeliefert werden. Im Inland, weil Sportboothäfen geschlossen sind und Kräne nicht bedient werden, oder im Ausland, weil die Grenzen zu sind und niemand die Boote abnehmen kann. In beiden Fällen bleibt die Abschlusszahlung erst einmal aus. Sie wird erst bei Übergabe fällig. Bootswerften kämpfen mit ähnlichen Problemen. Die Lieferketten sind unterbrochen, wichtige Einbauteile fehlen. Da ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Produktion eingestellt werden muss.

Kleinunternehmen erhalten Hilfe

Immerhin: Die Regierung handelt und spannt einen Schutzschirm über den Unternehmen auf, die von der Corona-Krise betroffen sind. Im Gegensatz zur Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 stehen nun auch die kleinen Unternehmen im Fokus. Immerhin gibt es in Deutschland rund 3,5 Mio. KMU, die 58 Prozent aller sozialversicherungspflichtigen Jobs anbieten. Für Kleinunternehmen mit bis zu zehn Beschäftigten gewährt der Staat einmalig eine nicht rückzahlbare finanzielle Unterstützung von bis zu 15.000 Euro. Das ist für die Wassersportbranche, die zu über 80 Prozent aus Kleinunternehmen besteht, ein wichtiges Angebot, das zudem mit regionalen Förderungen, Kurzarbeitergeld und Liquiditätshilfen kombiniert werden kann.

Die Unterstützung hilft zweifellos über die erste schwierige Zeit hinweg. Auf Dauer jedoch sind Hilfen dieser Art nicht ausreichend. Daher ist es wichtig, die aus gesundheitlichen Gründen zu Recht erlassenen Beschränkungen so schnell wie vertretbar wieder zu lockern. Beschränkungen, die so weitgehend in das soziale und wirtschaftliche Leben eingreifen, können nicht über viele Wochen aufrechterhalten werden. Wer da, wie manche Virologen, von vielen Monaten redet, hat offensichtlich keine Vorstellung davon, was das für die Wirtschaft und die Gesellschaft bedeuten würde. An dieser Stelle sei auch noch einmal daran erinnert, dass die Zeche keineswegs der Staat zahlt. Der hat nämlich kein Geld. Die Zeche zahlt der Bürger durch die Steuermittel, die er dem Staat zur Verfügung stellt.

Weitere Informationen zu diesen Themen erhalten die Mitgliedsunternehmen des Bundesverbandes Wassersportwirtschaft (BVWW) jeweils aktuell per E-Mail Newsletter. Für die individuelle Beratung in allen juristischen Fragen steht der Justiziar und Rechtsanwalt des Verbandes den Mitgliedsunternehmen kostenlos und jederzeit gerne zur Verfügung.