BUNDESVERBAND WASSERSPORTWIRTSCHAFT E.V.

Weiterdenken hat Tradition


Sich immer wieder neu aufzustellen, das ist für erfolgreiche Unternehmen fast eine Selbstverständlichkeit. Beim Zubehör-Spezialisten und Hamburger Traditionsunternehmen A.W. Niemeyer (awn), der bereits seit 273 Jahren am Markt operiert, hat ständiges Weiterdenken Tradition. Ein Ortstermin mit den beiden Geschäftsführern Christian Hofmann und Stefan Dreyer.

Gegründet 1745 als Eisenwarenhandelsgesellschaft, galt das Hauptaugenmerk bei A.W. Niemeyer in den Anfangsjahren der Ausüstung von Berufsschiffen. Im Laufe der Zeit verlagerte sich das Kerngeschäft auf den Handel mit Zubehör für Yachten und Boote. Heute beschäftigt awn 130 Mitarbeiter, darunter fast 100 im Verkauf, und gilt als Deutschlands größter und bekanntester Vollsortimenter im Wassersportbereich – mit 25.000 ständig verfügbaren Artikeln von 500 Lieferanten und 300 Marken sowie sieben Eigenmarken – Ocean One für maritime Mode, Ocean Bay für GFK-Boote, Ocean Craft für Außenbordmotoren, Ocean Tec für technische Artikel, Ocean Fun für Funsport und OceanPro+ für Funktionskleidung. Zehn Ladengeschäfte werden in Deutschland, Österreich und der Schweiz betrieben, daneben ein erfolgreicher Versandhandel, für den Jahr für Jahr 250.000 Kataloge – 2018 umfasste er 530 Seiten – gedruckt und versandt werden. Seit 1997 gibt es zusätzlich einen Web Shop, der derzeit in sieben Sprachen operiert. Auch ist man bei den großen Onlinemarktplätzen wie Amazon und eBay vertreten. Das rund 4.000 Quadratmeter große Logistikzentrum am Hamburger Holstenkamp verlassen jährlich rund 80.000 Pakete. Hochbetrieb herrscht zu Saisonbeginn im April und Mai eines jeden Jahres, da kann es schon mal vorkommen, dass pro Tag mehr als 1.000 Pakete gepackt werden.

Dennoch trägt der Versandhandel nur unterproportional zum Umsatz bei. Das Verhältnis möchten Christian Hofmann und Stefan Dreyer, die beiden Geschäftsführer von awn, gerne ändern, wobei dies nicht zu Lasten des Ladengeschäftes, sondern durch ein stark wachsendes Onlinegeschäft erreicht werden soll. „Der stationäre Einzelhandel verändert sich gewaltig“, meint Hofmann, der hinsichtlich des sich verändernden Kaufverhaltens der Kunden einen starken Wandel zur Bestellung im Internet wahrnimmt. Hofmann, der mit zehn Prozent an dem zur Ahrensburger Christoph-Kroschke-Gruppe zählenden Unternehmen beteiligt ist, sieht demnach die großen Chancen in der Digitalisierung. Und die soll in den kommenden Monaten bei awn zum einen im e-Commerce Bereich umgesetzt werden, zum anderen betrifft es die internen Arbeitsprozesse. Für diesen Umbau gewann awn den auf den Aufbau erfolgreicher Digitalkonzepte spezialisierten Company Builder Hanse Ventures, der seit Anfang des Jahres 30 Prozent der awn-Anteile hält. Darüber hinaus holte man den Digitalisierungsexperten Stefan Dreyer ins Unternehmen, der als weiterer Geschäftsführer neben Hofmann für den Umbau verantwortlich zeichnet und ebenfalls Anteile am Unternehmen hält.

„Die langjährige Beratungskompetenz“, so Dreyer, „wollen wir über alle Kanäle – online wie auch offline – spielen“. Bleiben Fragen offen, so kann der Kunde mit seinen Anliegen einen awn-Berater über alle Kommunikationskanäle erreichen. Nach der Bestellung können dabei die Algorithmen der Digitalisierung ins
Spiel kommen: Hat der Kunde beispielsweise eine Rettungsweste geordert, so kann er automatisch an den Termin für die Wartung erinnert werden. Oder aber an Reinigungstermine für die Persenning – eben an alles Mögliche, das auch nach dem Kauf in bestimmten zeitlichen Abständen zu überprüfen ist. Das bedeutet Service, stärkt die Kundebeziehung und gibt wiederholte Ansatzpunkte für Upselling. Der Kunde fühlt sich gut beraten und ist zufrieden. Natürlich ergibt sich aus den Bestellungen – je größer die Anzahl, desto genauer – auch ein Bild des Kunden, aus dem schlussendlich erkannt werden kann, ob es sich zum Beispiel um einen Bootsbesitzer, einen Charterer, einen Segler oder einen Motorbootfahrer handelt. Dementsprechend könnten dann wiederum personalisierte und auf den jeweiligen Kunden zugeschnittene Angebote unterbreitet werden, was schließlich den Mehrwert für den Kunden steigert.

Neben der Steigerung des Service für den Kunden stehen durch die Digitalisierung künftig aber auch Optimierungen für die kaufmännischen Arbeitsabläufe, wie zum Beispiel die Kontrolle für Lagerhaltung und Versandwege, im Fokus. So kann bei einem minimalen Bestand eines Produktes beim Lieferanten automatisch nachgeordert oder es können Trends für den Verkauf kalkuliert werden.

„Ich freue mich über die schlagkräftige Zusammenarbeit mit den Expertenteams von Hanse Ventures, gerade in den Bereichen Online Marketing, Software Entwicklung und Business Intelligence. Auf diesem Wege können wir das Wachstum von awn mit der stürmischen Herangehensweise aus dem Startup-Bereich befeuern“ betont Dreyer die Vorteile durch den neuen Gesellschafter. Und auch Christian Hofmann ist sich sicher: „Die Wachstumschancen im Online- und Mobile-Bereich sind nach wie vor immens, und wir wollen diese in Deutschland und international erschließen. Wir sind uns sicher, dass uns das mit der Kombination aus jahrhundertlangem Branchen-Know How von awn sowie der neuen Digitalisierungsexpertise hervorragend gelingen wird.“