BUNDESVERBAND WASSERSPORTWIRTSCHAFT E.V.

Appetithappen: Sechs süsse Jahre schüren Optimismus

Nach einem insgesamt erfolgreichen Jahr 2018 blickt die Wassersportbranche voller Optimismus auf die boot Düsseldorf 2019 und die kommende Wassersportsaison. 84,6 Prozent der Unternehmen berichten nach der aktuellen Konjunkturumfrage des Verbandes von gleichbleibend guten oder besseren Geschäften im Vergleich zum Vorjahr.

Dabei ist das Jahr 2018 durchaus nicht störungsfrei verlaufen. Nach einer sehr erfolgreichen boot Düsseldorf 2018 vermieste ein kaltes Frühjahr mit Eis bis in den April hinein den Start in die neue Saison. Üblicherweise markiert Ostern den Saisonstart: Die ersten Chartertörns werden absolviert und die Yachten nach den üblichen Servicearbeiten aus dem Winterlager geholt. Davon konnte im abgelaufenen Jahr indes kaum die Rede sein. Das Ergebnis: Das sonst so umsatzstarke Frühjahr verlief besonders für die Marktbereiche Service & Wartung, Ausrüstung & Zubehör sowie Charter enttäuschend.

Immerhin sorgte der nachfolgende Jahrhundertsommer in den meisten Marktsegmenten für gute Geschäfte und einen entsprechenden Ausgleich für die Umsatzeinbußen zum Saisonstart. Von der langen Saison mit besten Wetterbedingungen bis in den Oktober hinein haben vor allem die Charteranbieter an der Küste profitieren können. Doch der trockene Sommer hatte, zumindest im Binnenbereich, auch seine Schattenseiten. Niedrige Wasserstände haben dazu geführt, dass mancher Hafen nicht mehr angelaufen werden konnte oder Ausfahrten generell unterblieben.

Trotz dieser Beeinträchtigungen zieht die Branche für 2018 eine positive Bilanz und rechnet zum Jahresende mit einem Gesamtumsatz an maritimen Gütern und Dienstleistungen von rund 2,1 Mrd. Euro (+ 2,9 Prozent).

Auf internationaler Ebene profitiert die maritime Wirtschaft von den guten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Für 2018 rechnet die EU Kommission mit einer Steigerung des BIP von 2,1 Prozent. Die Prognose für das kommende Jahr fällt mit +1,9 Prozent nur wenig niedriger aus. Davon profitieren auch die deutschen Bootshersteller. Im ersten Halbjahr 2018 wurden insgesamt 2.001 Segel- und Motoryachten im Gesamtwert von 150,3 Mio. Euro exportiert. Damit konnte der sehr gute Vorjahresumsatz von 153,3 Mio. Euro annähernd erreicht werden.

Boote und Yachten bleiben gefragt

Die Nachfrage nach Booten und Yachten bleibt weiterhin auf einem hohen Niveau. Dabei gehen die Wachstumsimpulse vor allem vom Motorbootsegment aus. Europaweit gesehen beträgt das Verhältnis zwischen Motor- und Segelbooten prozentual ungefähr 80:20. Deutschland bildet hier mit einer Verteilung
von 60:40 zugunsten der Motorboote eine Ausnahme, die sich allerdings immer weiter nivelliert.


Trend zu großen Yachten und kleinen Flitzern

Für beide Marktsegmente gilt, dass die Nachfrage nach großen Yachten über 12 m Länge weiter steigt. Rund 85 Prozent der Segelboothändler und 93 Prozent der Motorboothändler berichten in diesem Bereich über gleichbleibend gute oder höhere Umsätze im Vergleich zum Vorjahr. Voll im Trend liegen weiterhin Katamarane, die längst nicht mehr alle im Mittelmeer oder in der Karibik ausgeliefert werden. Auch an der Ostsee steigt die Nachfrage nach diesem Bootstyp, der viel Lebens- und Bewegungsraum sowie hohen Komfort verspricht. Das kommt besonders bei Familien sehr gut an. Die weitere Entwicklung in Deutschland wird allerdings von der Infrastruktur in den Häfen abhängen, die bislang nur selten auf Yachten mit großer Breite eingestellt sind.

Anders als im Segelbootbereich bleiben kleinere Boote unter 7,5 m Bootslänge ein echter Renner. Insbesondere dann, wenn sie durch einen Außenbordmotor angetrieben werden. Das verschafft mehr Platz im Cockpit und spart Treibstoff- und Wartungskosten. Ein weiterer Vorteil liegt in der großen Flexibilität, den diese Boote versprechen. Sportboote können auf einem Trailer schnell vom Wochenend- zum Urlaubsrevier transportiert werden, benötigen keinen festen Liegeplatz und eignen sich je nach Ausstattung auch für das Wasserskilaufen oder zum Angeln. Da die Boote vergleichsweise leicht sind, kommen sie auch mit führerscheinfreien 15 PS am Spiegel schnell in Fahrt.

Sorgen bereiten manchen Händlern von kleineren Motorbooten allerdings die 25-prozentigen Strafzölle auf Boote, die seitens der EU Kommission als Gegenmaßnahme zu den durch die Trump-Administration initiierten Zollerhöhungen auf Stahl und Aluminium verhängt wurden. Viele Sportboote kommen nach wie vor aus den Vereinigten Staaten, auch wenn verschiedene US-Bootshersteller bereits seit Jahren innerhalb der EU produzieren lassen.


Neue Anforderungen an die Bootshersteller

Ganz allgemein lässt sich feststellen, dass die Anforderungen der Kunden an Komfort- und Manövriereigenschaften der Boote immer weiter steigen. Bug- und Heckstrahlruder sowie Joysticksteuerungen etc. erleichtern das Manövrieren auf engem Raum und werden immer mehr nachgefragt. Gleichzeitig soll es an Bord komfortabel zugehen. Gutes Schlafen in ausreichend großen und bequemen Kojen, moderne Sanitäranlagen sowie die entsprechende Heiz-, Kühl-, Koch- und Lichttechnik sind ebenso wie Entertainment-Equipment fast schon Selbstverständlichkeiten. Darauf müssen sich die Bootshersteller zunehmend einstellen. Die Zeiten, in denen man sich ausschließlich auf den Bootsbau und eine rudimentäre Ausstattung konzentrierte, neigen sich dem Ende zu.

Ähnliches gilt für die Digitalisierung an Bord. Sämtliche an Bord generierten Daten und Informationen sollen möglichst zentral abrufbar sein, auch über eine entsprechende Schnittstelle durch den eigenen Laptop. Der Stand der Technik, wie man ihn aus dem Kfz-Bereich kennt, wird zunehmend auch auf der eigenen Yacht erwartet – diverse USB-Schnittstellen inklusive. Das eröffnet den Bootsherstellern neue Möglichkeiten. Sonderausstattungen sind, ähnlich wie bei anderen Fahrzeugen, wichtige Umsatzträger und Gewinntreiber.

Immer mehr Bedeutung messen die Kunden auch Designfragen bei. Dies gilt sowohl für die Innenausstattung als auch für das Bootsdesign. Chic soll es aussehen, das ist besonders im Motorbootbereich wichtig. Früher galt uneingeschränkt: „Form follows Function“. Auch diese Zeiten scheinen passé. Tolles Design rückt immer häufiger in den Mittelpunkt, wie bei anderen Lifestyle-Produkten auch.


Chartermarkt wächst durch gutes Auslandsgeschäft

Die Vermieter von Segel- und Motoryachten sprechen überwiegend von Geschäftsergebnissen auf dem Niveau des sehr guten Vorjahres. Umsatzzuwächse waren 2018 nur durch die starke Nachfrage beim Auslandsgeschäft zu realisieren. Insbesondere Kroatien und Griechenland haben erneut deutlich zulegen können. Auch die Türkei findet wieder mehr Zuspruch.

Im Bereich der Ostsee- und Binnencharter orientieren sich die Kunden bei den Vorbuchungen vorwiegend an den Wetterverhältnissen des Vorjahres. In Deutschland war der Sommer 2017 mehr als bescheiden. Entsprechend niedrig waren die Vorbuchungen für die Saison 2018. Da führt dann auch ein perfekter Sommer nicht zu Umsatzsteigerungen, wenngleich die Vermieter an der Ostsee davon durchaus profitieren konnten. Immerhin, für eine erfolgreiche Saison 2019 ist der vergangene Sommer die beste  Voraussetzung.

Generell setzt sich der Trend zu kürzeren Bootsurlauben fort. Der zwei oder dreiwöchige Bootsurlaub wird immer seltener. Stattdessen buchen die Gäste lieber häufiger einmal einen Kurzurlaub, statt wie in früheren Zeiten für den Jahresurlaub alles auf eine Karte zu setzen.

Im Binnenbereich, auf Deutschlands Flüssen, Kanälen und Seen, brachte die Saison 2018 Geschäfte auf dem guten Vorjahresniveau. Auch hier gilt, dass die Vorbuchungen aufgrund des schlechten Sommers 2017 weniger üppig ausgefallen waren. Immerhin hat aber die besonders lange Saison hierfür einen Ausgleich schaffen können. Sorgen bereiteten den Charterunternehmen im Binnenbereich die extrem niedrigen Wasserstände, die in einigen Regionen dazu geführt haben, dass bestimmte Anlegestellen nicht mehr angefahren werden konnten. Die Charterunternehmen gehen davon aus, dass man aufgrund des Klimawandels in Zukunft vermehrt mit solchen Problemen konfrontiert werden könnte.

Positive Rückmeldungen geben auch die Vermieter von Kanus und Kajaks. Rund 96 Prozent der Anbieter sprechen hier von gleich guten oder besseren Geschäften im Vergleich zum Vorjahr. Die Outdoor-Sportart ist naturgemäß ganz besonders von den Wetterbedingungen, und hier insbesondere an den Wochenenden, abhängig. Die perfekten Wetterverhältnisse, die seit Mitte April in den meisten Regionen vorherrschten, sorgten für eine sehr gute Auslastung.


Ausrüstung und Zubehör knapp auf Vorjahresniveau

Wie eingangs bereits angesprochen, hatte der Bereich Ausrüstung & Zubehör besonders unter dem eiskalten Klima bis Mitte April zu leiden. So fiel das sonst gute Ostergeschäft falls vollständig aus. Während der folgenden Monate hat sich die Situation zwar erheblich verbessert, ohne dass aber die Umsatzeinbußen aus dem Frühjahr vollständig kompensiert werden konnten. Dennoch bewerten die Ausrüster das abgelaufene Geschäftsjahr überwiegend gut. Dazu beigetragen hat zweifellos auch das gute Gebrauchtbootgeschäft, das erfahrungsgemäß immer erhebliche Investitionen der Nacheigner in eine zeitgemäße Ausrüstung nach sich zieht.

Bei den Anbietern von Funktionsbekleidung fällt die Bilanz allerdings weniger positiv aus. Der sehr warme Sommer ließ nicht unbedingt den Wunsch nach neuer wetterfester Bekleidung aufkommen.


Tauchsport im Aufwind

In den vergangenen Jahren wurde die positive Entwicklung des Tauchsports durch die schwierigen politischen Bedingungen in Ägypten und die damit verbundenen Fragen der Sicherheit arg beeinträchtigt. Ägypten ist nun einmal die mit Abstand wichtigste Tauchsportregion. Tausende von Urlaubern kommen hier erstmalig mit dem Tauchsport in Berührung, lernen die faszinierende Welt unter Wasser kennen, absolvieren einen Tauchkursus und kommen begeistert aus dem Urlaub zurück. Das generiert den dringend erforderlichen Nachwuchs im Tauchsportbereich und beflügelt die Tauchsportindustrie.

Nachdem sich die politischen Verhältnisse in Ägypten beruhigt haben, hat der Tourismus wieder an Boden gewinnen können. Davon profitiert die Tauchsportbranche. Nach schwierigem Start in die Saison 2018 haben sich die Umsätze auf dem Vorjahresniveau stabilisiert, und man blickt optimistisch auf die kommende Saison.


Ausbildungszahlen steigen

Wassersport liegt voll im Trend. Das belegen die jährlich steigenden Ausbildungszahlen sowohl im Beachsport- als auch im traditionellen Bootsbereich. Surfen in seinen verschiedenen Ausprägungen, Katamaran- und Jollensegeln, vor allem aber Stand-Up-Paddling (SUP) locken immer mehr Menschen vom Strand auf das Wasser. Das bestätigt auch die Jahresumfrage des Verbandes Deutscher Wassersportschulen (VDWS). 80 Prozent der Unternehmen bewerten die Saison 2018 besser als die Vorjahressaison; 75 Prozent zeigten sich mit dem Saisonverlauf sehr zufrieden. Dieses positive Resümee wird durch den Verband Deutscher Sportbootschulen (VDS) geteilt. Der sehr gute Sommer hat die Lust auf Wassersport noch einmal deutlich verstärkt.

Auch im traditionellen Bootsbereich nimmt das Interesse stetig zu. Haben 2008 noch rund 62.000 Personen den amtlichen Sportbootführerschein Binnen oder See abgelegt, sind es aktuell bereits rund 90.000 pro Jahr.


Qualifiziertes Personal dringend gesucht

Die Personalsituation in der Branche bleibt angespannt. Insbesondere die Service- und Refitunternehmen arbeiten an der Kapazitätsgrenze. Das führt im Ergebnis dazu, dass teilweise Aufträge nicht oder nur mit zeitlicher Verzögerung ausgeführt werden können. Das ist weder für die Kunden, noch für die Unternehmen eine angenehme Situation. Dringend gesucht werden vor allem ausgebildete Mitarbeiter im kaufmännischen, besonders aber im technischen Bereich. Eine Untersuchung des Verbandes  legt nahe, dass derzeit rund 15 Prozent der Arbeitsplätze nicht mit adäquaten Mitarbeitern besetzt werden können.

Der Verband hat daher beschlossen, eine bundesweite PR Kampagne zu starten, um die Wassersportbranche als Arbeitgeber in der Öffentlichkeit besser und erfolgversprechender zu positionieren. Dadurch sollen die Branchenunternehmen bei ihrer Personalsuche wirkungsvoll unterstützt werden. Vorbereitet durch Werbemaßnahmen in den sozialen Netzwerken, auf Online-Plattformen sowie durch TV-Werbespots soll die Kampagne anlässlich der boot Düsseldorf 2019 an den Start gehen. Interessenten finden in Halle 14 an Stand A44 sämtliche Informationen rund um die Bootsbranche und ihre beruflichen Möglichkeiten und können sich konkret über aktuelle Jobangebote informieren.


Optimistischer Blick in die Zukunft

Nach inzwischen sechs Wachstumsjahren in Folge bleiben die Unternehmen optimistisch. 88,1 Prozent der Unternehmen glauben mit Blick auf das Jahr 2019 an gleich gute oder bessere Geschäfte im Vergleich zum Vorjahr. Angesichts der nach wie vor robusten Konjunktur ist diese Einschätzung nachvollziehbar. Die Arbeitslosenquote ist mit aktuell fünf Prozent auf einem sehr niedrigen Niveau, die Inflationsrate gering, und die Wirtschaftsforschungsinstitute sehen für 2018 ein Wachstum des Bruttoinlandsproduktes von 1,6 Prozent und für das kommende Jahr von 1,5 Prozent voraus.

Allerdings darf auch nicht außer Acht gelassen werden, dass die Wirtschaftsweisen noch vor wenigen Monaten deutlich optimistischer waren. Die unruhige Weltwirtschaftslage, der sich immer mehr zuspitzende Fachkräftemangel und der immer weiter um sich greifende Protektionismus werden dauerhaft kaum ohne Einfluss auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung bleiben. Vor allem die Entwicklung des Handelsstreits mit den Vereinigten Staaten, die Folgen des Brexit und die finanzwirtschaftlichen Risiken in der Eurozone lassen kaum sichere Vorhersagen zu.