BUNDESVERBAND WASSERSPORTWIRTSCHAFT E.V.

Vielschichtige Herausforderungen


BVWW-Mitgliederversammlung: Politisches Engagement, Dienstleistungsangebote und Image-Aktionen bestimmen Verbandsarbeit maßgeblich

Ein Rückblick auf das vergangene Jahr, die Vorschau auf geplante Aktivitäten und die Gelegenheit zu guten Gesprächen mit Branchenkollegen: Das kennzeichnete auch die diesjährige Mitgliederversammlung des BVWW im Rahmen eines Verbandsabends während der boot in Düsseldorf. Rund 130 Personen waren in diesem Jahr dabei. Unter den Ehrengästen waren boot Director Petros Michelidakis, Mona Küppers, Präsidentin des Deutschen Segler-Verbandes, sowie ADAC-Vizepräsident Kurt Heinen mit Dr. Steffen Häbich, Leiter der Wassersportabteilung im ADAC.

In seinem Grußwort ging boot Director Michelidakis auf den guten Verlauf der boot 2019 ein, sprach von magischen Momenten der Veranstaltung mit 1980 Ausstellern und betonte die harmonische, schon familiäre Zusammenarbeit mit dem Bundesverband Wassersportwirtschaft (BVWW). Da der ausführliche Geschäftsbericht den Mitgliedern bereits im Vorwege auf dem Postweg zugestellt worden war, genügte es, auf einzelne Punkte kurz einzugehen und die erforderlichen Abstimmungen vorzunehmen.

Das Präsidium wurde bereits anlässlich der Delegiertenversammlung am 6. Dezember 2018 für vier Jahre gewählt. Als Präsident wurde Robert Marx im Amt bestätigt. Die Position des Schatzmeisters hat nunmehr Karsten Klemme zu verantworten, zu Vizepräsidenten wurden Martin Baum, Harald Kuhnle, Sonja Meichle und Thomas Diederichs gewählt. Dem Aufsichtsrat gehören Jan Fritz Brock (Vorsitzender), Lutz W. Lester und Falk Morgenstern an. Bernd Gröver und Harald Siegel hatten sich nicht mehr zur Wiederwahl gestellt. In seiner Laudatio würdigte Präsident Robert Marx die großen Verdienste, die sich Bernd Gröver in seiner 23-jährigen ehrenamtlichen Tätigkeit als Schatzmeister um den Verband und die Wassersportwirtschaft erworben habe: „Bernd Gröver war in all den Jahren Garant für die wirtschaftliche Stabilität des Verbandes, hat sich in der gesamten Branche hohes Ansehen erworben und übergibt seinem Nachfolger einen gesunden und geordneten Haushalt“, so Marx.

Nicht mehr zur Wiederwahl stellte sich auch Harald Siegel, der das Amt des Vizepräsidenten seit 2013 bekleidet hatte. Robert Marx dankte auch ihm für seinen ehrenamtlichen Einsatz und die vielen guten Ideen und Anregungen, von denen der Verband während seiner Amtszeit immer habe profitieren können. Ehrenamtliches Engagement, so der BVWW-Präsident, sei wichtiger denn je. Es sei Garant dafür, dass ein Verband glaubwürdig agiere, basisorientiert arbeite, die Probleme seiner Mitgliedsunternehmen aufgreife und Lösungen zuführe.

Die Herausforderungen für den Verband nehmen immer mehr zu, insbesondere die politische Arbeit. Hochaktuell bleibt die Zukunft der touristisch besonders wichtigen Nebenwasserstraßen (2.800 km mit 120 Wehren und 140 Schleusen). Das Bundesprogramm Blaues Band Deutschland wurde im Gegensatz zum Wassertourismuskonzept (2015 von der Bundesregierung vorgelegt und ohne konkrete Vorstellung davon, wie die genannten Wasserstraßen zukünftig wassertouristisch genutzt und betrieben werden sollen) unmittelbar durch die Bundesregierung beschlossen und besitzt damit eine hohe politische Priorität. Von Beginn an war klar, dass die Branche diese Entwicklung nur gemeinsam, mit einer Stimme sprechend, beeinflussen kann. Seither haben die maritimen Spitzenverbände aus Sport, Tourismus und Wirtschaft an einer Vielzahl von Veranstaltungen zu diesen beiden Themen teilgenommen und verschiedene gemeinsame Stellungnahmen abgegeben. Das hat Wirkung gezeigt. Inzwischen haben sich die wichtigen politischen Entscheidungsträger und umsetzenden Bundesbehörden zu einer gleichgewichtigen Betrachtung ökologischer und ökonomischer Interessen bei der Umsetzung der beiden Programme bekannt und den touristischen Nutzen in die Bewertungsmethodik einbezogen. Es bestehen gute Aussichten, dass erstmalig im Bundeshaushalt 2020 finanzielle Mittel für den Erhalt und den Ausbau der wassertouristischen Infrastruktur separat ausgewiesen werden. In den kommenden Wochen und Monaten soll nach Ankündigung des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) ein Investitionskonzept für die Nebenwasserstraßen erarbeitet werden. Grundlage hierfür ist eine Bestandsschau der einzelnen Wasserwege und Wasserbauwerke und daraus abgeleitet eine priorisierte Liste an Investitionsvorhaben. Vordringlich sollen dabei die Hauptmagistralen der touristischen Wasserwege sein, auf denen Ausfälle der Infrastruktur aufgrund ihrer erheblichen Folgewirkungen für die Wirtschaft auf jeden Fall vermieden werden müssen.

ADAC und Bundesverband Wassersportwirtschaft haben, wie in den vergangenen Legislaturperioden, auch für die aktuelle Legislaturperiode einen gemeinsamen politischen Forderungskatalog verfasst und auf politischer Ebene kommuniziert. Erste Gespräche haben ergeben, dass es bei den folgenden Projekten im Jahr 2019 vorangehen soll:

  • Überarbeitung und Zusammenfassung der Sportbootvermietungsverordnungen Binnen und See. Bereits heute scheint aber klar zu sein, dass die Sportbootvermietungsverordnungen zusammengefasst werden und sich ausschließlich auf die Vermietung von Booten beziehen sollen. Die gewerbsmäßige Nutzung von Fahrzeugen, wie sie bislang noch in der SeeSportbootverordnung enthalten ist, soll zukünftig in die Schiffssicherheitsverordnung integriert werden. Im Binnenbereich wurde diese Trennung bekanntermaßen aktuell vollzogen.

  • Überarbeitung der freiwilligen, amtlichen Sportbootführerscheine SKS, SSS, SHS. Bekanntlich wurden die amtlichen Sportbootführerscheine Binnen und See bereits vor Jahren inhaltlich überarbeitet und modular aufgebaut. Dieses Konzept soll nun auf die höherwertigen Führerscheine übertragen werden.

Weiterhin ungelöst bleibt die Frage des Mehrwertsteuernachweises für Gebrauchtboote. Gemäß aktueller Rechtslage muss der Eigner eines Bootes, das nach dem 1. Januar 1985 in Betrieb genommen wurde, nachweisen, dass für diese Yacht die Einfuhrumsatzsteuer/Mehrwertsteuer entrichtet wurde. Das ist in vielen Fällen nach so langer Zeit nicht möglich, da die erforderlichen Dokumente (Originalrechnung / zollamtliche Dokumente) nicht mehr beigebracht werden können. Zur Klärung der zoll- und steuerrechtlichen Situation hat der Verband ein Gutachten in Auftrag gegeben. Die bisherigen Gespräche mit der zuständigen Generalzolldirektion haben ergeben, dass jeweils eine Einzelfallbetrachtung erforderlich ist. Die Bereitschaft, an einer generellen Lösung zu arbeiten, besteht nicht. Da die aktuelle Situation untragbar ist, den Gebrauchtboothandel erheblich erschwert und dadurch das Neubootgeschäft belastet, hat der Verband erste Schritte unternommen, um das Problem auf politischer Ebene zu thematisieren.

Das Dienstleistungsangebot des Verbandes ist umfassend. Es reicht von der rechtlichen Beratung in allen Fragen rund um das Wassersportgeschäft über aktuell der Rechtsprechung angepasste Verträge und AGB bis hin zu regelmäßigen Informationen über die Entwicklung der maritimen Wirtschaft, aktuelle Trends, Marktstudien, Statistiken, Seminare auf den regionalen Branchentreffs und Videoseminare, die der Verband seit Frühjahr 2018 auf seiner neu geschaffenen Videoplattform SICHER-WISSEN anbietet. Besonders letzteres Angebot spart Zeit und Anreisekosten, bietet aber dennoch die Möglichkeit, sich aktiv an Weiterbildungsangeboten zu beteiligen.

Für die Unternehmen wird es immer wichtiger, ihre Kompetenz nach außen hin darzustellen. Eine Zertifizierung ist hierzu ein geeignetes Mittel. Der Verband hat in Zusammenarbeit mit dem International Marine Certification Institute (IMCI), Brüssel, einen Branchenstandard erarbeitet, der als Grundlage der Zertifizierung dient. IMCI ist ein führendes Zertifizierungsunternehmen der internationalen Wassersportbranche. Überprüft werden Bootshandels-, Zubehörhandels-, Bootservice- und Motorenservicebetriebe. Der Zertifizierungszeitraum beträgt drei Jahre. Wie immer gut angenommen wurden auch die Landesarbeits- und Fachgruppentagungen mit ihren kompakten Sitzungen und die Professionalisierungsangebote mit Zertifizierungen, Seminaren und Informationsveranstaltungen.

Um dem Arbeitskräftemangel – nach einer Umfrage des BVWW können zehn bis 15 Prozent der Arbeitsplätze in der Wassersportbranche derzeit nicht mit passenden Mitarbeitern besetzt werden – in den einzelnen Betrieben, insbesondere im technischen Bereich, entgegenzuwirken, wurde für Fachkräfte eine dreijährige Werbekampagne unter dem Motto „Komm zu uns in die Bootsbranche“ gestartet. Sämtliche werblichen Maßnahmen lenken das Interesse auf die Kampagnenwebsite www.bootsjobs.de, auf der alle Branchenunternehmen, unabhängig von eventuellen Verbandsmitgliedschaften, die Möglichkeit haben, Jobangebote kostenlos einzustellen. Auf der Seite finden sich auch alle Informationen rund um die Bootsbranche. Imagevideos, Kurzvideos der Protagonisten und die Imagebroschüre setzen auf Emotionalität und sollen die Vorzüge der Branche und ihrer Produkte ins richtige Licht setzen. Zielgruppe sind gelernte Handwerker und Menschen mit handwerklichem Geschick, die auf grund ihrer Vorbildung im Bootsbereich einsetzbar sind. Die Zielgruppe soll über einen breiten Marketingmix aus Fernsehwerbung auf dem für die Zielgruppe relevanten Spartensender DMAX, über Werbung auf ausgewählten Online-Plattformen und über soziale Netzwerke angesprochen werden. Die Werbekampagne läuft seit Ende 2018.

Im Frühjahr 2019 wird die Forschungsvereinigung für die Sport und Freizeitschifffahrt e.V. (FVSF) ein Projekt starten zum Thema, welche Pläne die frischgebackenen Bootsführerschein-Inhaber hinsichtlich ihrer Freizeitbeschäftigung auf dem Wasser verfolgen. Immerhin werden jährlich mehr als 90.000 amtliche Sportbootführerscheine Binnen und See erworben.

Die bundesweite Kampagne für den Bootsport START BOATING, die vom BVWW maßgeblich mit angeschoben wurde, hat im Jahre 2018 zum dritten Mal stattgefunden. Aus Sicht der Organisatoren war die Kampagne bisher ein großer Erfolg. Gemeinsam mit über 20 Partnern aus der Branche ist es gelungen, mehr als 10.000 Menschen im Rahmen verschiedener Veranstaltungen und durch Partner-Events aufs Wasser zu bringen. Darüber hinaus wurden mehr als sechs Millionen Interessierte über Messeaktivitäten, die START BOATING-Magazine, Rundfunk-Beiträge, die Kampagnenwebsite sowie über soziale Netzwerke mit der Faszination Bootfahren in Kontakt gebracht. Dadurch ist es gelungen, das Interesse am Bootssport zu steigern. 2019 wird die erfolgreiche Einsteiger-Initiative START BOATING nach der Devise „Einsteigen, ablegen und Spaß haben“ in eine neue Zukunft geführt. Unter „BOOTSSPORT ERLEBEN“ steht die Faszination Bootssport auch zukünftig im Fokus der Aktion, die von namhaften Partnern der Wassersportbranche, darunter auch die bisherigen Ideengeber, getragen wird. Mitmach-Aktionen in attraktiven Revieren bilden auch künftig den Kern der Kampagne. Voraussetzung für die Fortsetzung der erfolgreichen Kampagne unter neuem Namen waren deutliche Kostenreduzierungen, die in erster Linie durch eine Straffung der Abläufe und eine Umstellung des Marketingkonzeptes erreicht werden konnten. Die gesamte Kampagne wird zukünftig durch die Agentur 2increase aus Mönchengladbach in eigener Verantwortung organisiert und durchgeführt.

Werbung für den Bootssport bleibt ein wichtiges Thema, dem sich die (gesamte) Branche annehmen muss. Einen weiteren Weg, neue Interessenten für den Wassersport zu gewinnen, bietet die bereits etablierte Einsteigerplattform www.entdecke-wassersport.de mit relevanten Basisinformationen.